Till Runge

Berlin von Till Runge, 3. Juni 2015

Weniger als 30% aller Wege werden noch mit dem Auto zurückgelegt. Diesen kleinen Ausblick hat Verkehrssenator Geisel schon einmal auf den aktuellen Berliner Modal Split (Anteil der Verkehrsmittel an den zurückgelegten Wegen) gegeben. 1998 lag der Anteil noch bei 38% der Wege. Das heißt, in etwas über 15 Jahren hat der Autoverkehr ein Viertel seiner Bedeutung verloren. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Allerdings bedeutet das nicht, dass in Berlin weniger Autos unterwegs sind. Tatsächlich gibt es in Berlin mehr Autoverkehr. Das liegt am Wachstum der Stadt. Die anderen Verkehrsmittel haben noch stärkere Zuwachsraten.

Da die endgültigen Zahlen erst Mitte Juni 2015 herausgegeben werden, können hier noch keine Details diskutiert werden. Drei Einsichten können an dieser Stelle jedoch schon gewonnen werden.

Radverkehr ist das kleinste der großen Verkehrsmittel
Die letzten gesicherten Zahlen zum Berliner Modal Split stammen von 2008. Der Radverkehr machte damals 13% aller Wege aus und war damit das kleinste der großen vier Verkehrsmittel (Fuß, ÖPNV, Auto, Fahrrad). Auch wenn die neuen Zahlen einen deutlich höheren Anteil zeigen werden, wird das Fahrrad – gesamtstädtisch betrachtet – immer noch das kleinste Verkehrsmittel sein.

Fahrradtasche Toronto

Radverkehr ist ein Game Changer
Aber Radverkehr ist auch das mit Abstand dynamischste Verkehrsmittel. Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, spricht von jährlichen Zuwachsraten des Radverkehrs von 5%. Die deutliche Bewegung weg vom Auto wird also hauptsächlich vom Rad getragen. Dieser Trend wird sich eher noch beschleunigen, wenn man sich die Entwicklung des Berliner ÖPNVs anschaut, der vielerorts bereits an der Kapazitätsgrenze fährt. Die Bahnen und Busse sind zu Hauptverkehrszeiten einfach voll. Und Kapazitätsausweitungen sind nicht in Sicht. Die Berliner Verkehrslandschaft ändert sich rapide – dank des Fahrrads.

Radverkehr wird Mainstream
Haben wir oben noch festgestellt, dass gesamtstädtisch der Radverkehr immer noch das kleinste der großen Verkehrsmittel ist, so gibt es immer mehr Stadtteile, in denen das Rad zu einem der Hauptverkehrsmittel geworden ist. Neben Friedrichshain und Kreuzberg haben nun auch Stadtteile wie Mitte und Schöneberg einen Radverkehrsanteil von über 25%. 2008 war Friedrichshain-Kreuzberg noch der einzige Bezirk mit einem Radverkehrsanteil von über 20%.

Jahrzehntelang wurde laut nach einer »Verkehrswende« gerufen. Nun befinden wir uns mitten in einer solchen. Und das Fahrrad ist dabei die treibende Kraft.

Fahrradtaschen von Zimmer

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Till Runge ist Herausgeber des Urbanist Magazins. Der Soziologe forscht zu Städten am von ihm mitgegründeten Berliner Institut für Mobilität und Gesellschaft.