Wie wir uns eine gelungene Critical Mass vorstellen

Wir sind große Anhänger der allmonatlich stattfindenden Critical Mass. Daher haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir uns eine gelungene Critical Mass vorstellen und wollen damit auch andere ermutigen, sich Gedanken zu machen, darüber zu diskutieren, Verantwortung zu übernehmen und vor allem mitzufahren. We are traffic!

1. Wir fahren solidarisch.

Egal ob Fixie, ob Hollandrad, ob Tandem oder Lastenrad: Wir fahren zusammen. Alle sollen sich wohl fühlen und mit Spaß durch die Stadt radeln. Keiner bleibt unfreiwillig zurück. An den Kreuzungen „korken” wir bis zum letzten Mitfahrer, das heißt wir hindern Autofahrer durch „Querstellen” daran, in die Critical Mass hineinzufahren, damit alle Radfahrer sicher über Kreuzungen fahren können. Wir fahren ein angenehmes Tempo – angenehm auch für langsamere Radfahrer. Wir warten aufeinander.

2. Wir kennen unsere Rechte.

Sobald ein Mitfahrender über die Ampel gefahren ist, darf gemäß StVO die gesamte Kolonne durchfahren, auch wenn die Ampel auf Rot schaltet. Damit dies sicher gelingt, „korken” die vorne Fahrenden die Kreuzung. Anschließend fahren alle durch.

3. Wir sind gut gelaunt.

Wir genießen die abendliche Stadtluft und lauschen dabei gerne auch guter Musik. Ein Ort, um aufgestauten Aggressionen Luft zu lassen, ist die Critical Mass nicht.

4. Wir sind sichtbar.

Lasst doch den Autos die Tunnel. Wir fahren draußen, in der Stadt.

5. Wir erkunden die Stadt immer wieder neu.

Den Großen Stern kennen wir so langsam. Lasst uns die Stadt gemeinsam erkunden. Wie wäre es einmal mit Neukölln? Oder Marzahn-Hellersdorf? Abwechslung tut gut.

6. Wir lieben die Crowd. Und die Einzelnen, aus der sie besteht.

Wir finden es super, dass der Schwarm im Zentrum steht und keine Einzelperson, keine zentrale Organisation, kein Veranstalter. Allerdings wissen wir auch, dass die Masse nur durch Menschen funktionieren kann, die etwas tun. Sei es nun Sticker zu drucken, die Entscheidung zu treffen, an der Kreuzung abzubiegen, auf Facebook eine Veranstaltung anzukündigen, aufeinander aufzupassen oder darüber zu diskutieren, was man noch besser machen kann. Wir finden es großartig, dass Einzelne Verantwortung übernehmen. Man kann natürlich immer auch alles anders machen: do it yourself!

7. Wir wissen um unsere Verantwortung.

Klar kann sich jeder zu jedem Zeitpunkt entscheiden, die Gruppe zu verlassen. Wir leben in einer freien Welt. Aber: Nicht jeder hat einen guten Orientierungssinn, nicht jeder kennt Tunnel von innen und weiß vorher, wie lange sie sind. Nicht jeder ist sich vorher jeder Situation bewusst. Wir begrüßen die monatlich wachsende Teilnehmerzahl der Critical Mass. Aber neuen Leuten sollte man nicht gleich den Spaß verderben und sie danach auf ihre Eigenverantwortung hinweisen. Lasst uns daran denken, wenn wir uns für Wege entscheiden.

8. Wir stellen uns schwierigen Situationen gemeinsam.

Klar wollen wir nicht von den Damen und Herren in Blau begleitet werden. Und auch nicht vom Fahrrad gezogen werden. Aber auf einer Critical Mass gilt: Jeder ist auch für die Gruppe verantwortlich. Und nicht jeder kann sein Fahrrad schnell über Büsche werfen und wegfahren. Wir sind eine heterogene Gruppe und das ist auch gut so.

9. We are traffic.

Wir sehen uns jeden letzten Freitag im Monat um 20 Uhr am Kreuzberger Heinrichplatz und an vielen weiteren Orten rund um den Globus. Wir wissen, dass wir eine kritische Masse sind, die zusammenhält, auch an anderen Tagen und anderen Orten.

Coverfoto: ItzaFineDay / Dreamy Bike Ride – Calgary 2008-06 8 / Flickr / CC-BY 2.0

Till Runge

Till Runge

Till Runge ist Herausgeber des Urbanist Magazins.

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